Die Farbe beeinflusst die Emotionen eines Bildes meist stärker als der reine Bildinhalt.

Welcher Aspekt beeinflusst die emotionale Wirkung eines Bildes stärker, dessen Inhalt oder dessen Farben? Kognitiv-spontan tippen die meisten auf den Inhalt. Denn Bildinhalte sind besser in Worte zu fassen und wir Menschen sind es uns gewohnt, Bilder mehrheitlich über ihren Inhalt zu beschreiben. Wie lautet jedoch die Antwort, wenn unsere «kognitiven Filter» ausgeschaltet werden? 

Im Rahmen einer Neuromarketing-Studie wurden die Aspekte Bildinhalt und Bildfarbe separiert und – zusammen mit den Originalbildern – auf ihre emotionale Wirkung getestet. Um die Bildfarbe vom Bildinhalt loszulösen, wurden die Bildinhalte durch einen starken Blur-Effekt unkenntlich gemacht; um die Bildinhalte separat zu testen, wurden Schwarz-Weiss-Bilder verwendet. 

Am Beispiel-Bild «Blüten»:

Originalbild
Reine Bildfarbe
Reiner Bildinhalt

Die emotionalen Wirkungen der Bildfarbe und des Bildinhaltes wurden nun jeweils mit derjenigen des Originalbildes verglichen – über mehrere Bilder hinweg. Dabei zeigte die Emotionswirkung der Bildfarbe im Mittel aller getesteten Bilder einen stärkeren Zusammenhang mit der Originalbild-Wirkung. Der Bildinhalt wies einen durchschnittlich 1.5x schwächeren Zusammenhang mit der Originalbild-Wirkung auf. 

Die Farben beeinflussen also die emotionale Wirkung eines Bildes meist stärker als der Bildinhalt.

Durchschnittlicher Anteil an der
Originalbild-Wirkung

Die Bildfarbe löst oft mehr Emotionen
aus als der reine Bildinhalt.

Farbe und Inhalt unterscheiden sich nicht nur im Hinblick auf die emotionale Bildwirkung, sondern auch Punkto Emotionsvolumen.

Über das «Emotionsvolumen» wird gemessen, wie stark ein Bild Emotionen weckt – ungeachtet dessen, welche Emotionen dies sind. Je höher also das Emotionsvolumen ist, desto mehr Emotionen werden im Betrachter geweckt und desto mehr Aufmerksamkeit wird gebündelt. Dies hilft, das Bild stärker in der Erinnerung zu verankern.
Auch hier hat die Bildfarbe im Mittel die Nase vorn: sie löst 1.4-mal mehr Emotionen aus als der Bildinhalt.

Durchschnittliches
Emotionsvolumen

Ein Farbwechsel kann die Emotionen eines Bildes
unter Umständen stark verändern.

Kann man die emotionale Wirkung eines Bildes nun aktiv beeinflussen? Kurz: Ja. 

Um zu diesem Finding zu gelangen, wurden Bilder mehrfach farblich verändert – der Bildinhalt blieb immer gleich. Danach wurden diese farblich unterschiedlichen Bildversionen auf ihre emotionale Wirkung geprüft – und mit der emotionalen Wirkung der Originalbilder verglichen. Tatsächlich schafften es die farblich veränderten Versionen, die emotionale Bildwirkung zu beeinflussen: Einige der Original-Emotionen gingen verloren, andere Emotionen kamen neu hinzu.
Es lohnt sich also, an den Farben und Farb-Stimmungen eines Bildes zu arbeiten, um die gewünschte emotionale Wirkung beim Betrachter zu erreichen.

Am Beispiel-Bild «Baby»:

Originalbild

farblich veränderte Versionen

Studien-Background

Die Resultate basieren auf einer qualitativen EmoCompass®-Befragung vom Juni 2020, durchgeführt von der auf Neuromarketing spezialisierten Unternehmensberatung ZUTT & PARTNER in Wolfhausen im Zürcher Oberland. Analysiert wurden die ermittelten Gemütsbewegungen von 103 (=theoretische Sättigung erreicht) in Europa, Nordamerika und Asien lebenden Personen. Die Befragung erfolgte in online geführten Einzelinterviews – komplett nonverbal über neuropsychologisch codierte Muster. Die Arbeit mit abstrakten Farben und Formen ermöglicht das Erschliessen der Emotionen auf tiefem individuellem Assoziationslevel und fast unter Ausschluss von Kognition (rationalem Denken) und von reinen Likes und Dislikes. Es werden für die Methodologie die Erkenntnisse aus der Neurologie wie Synästhesie, patchworkartiges Arbeiten des Hirns sowie Fuzzy Logic genutzt.

x